Donnerstag, 2. März 2006
Syriana

Nachdem alle Klausuren und meine Kiefernebenhöhlenentzündung mit allem was man sich nur vorstellen kann überstanden sind/ist, war gestern abend mal etwas Zeit für gepflegtes Kino mit ein paar Freunden. Die "Ansteckerin" suchte Syriana als Objekt der Begierde aus. Alles was ich vorher dazu wusste war, dass es um Politik geht und das George Clooney mitspielt.
Als erstes fällt der Titel des Films auf. Wie ich herausfand, ist Syriana ein Kunstwort das durch Zusammenziehen von Syrien, Irak und Iran zustande kommt. Regisseur und Drehbuchautor Stephen Gaghan erzählt in seinem Politdrama im Großen und Ganzen 4 Geschichten von denen man im Verlaufe des Filmes immer mehr und mehr hofft, dass sie am Ende in ein harmonisches und klares Ende münden. Dazu aber später mehr. Ich unregelmäßigen Abständen springt das Geschehen von einer zur nächsten Geschichte und man hat doch etwas mit den ganzen vielen Namen und Gesichtern des Filmes zu kämpfen. Ein zweites Mal sehen wird auf jeden Fall Pflicht sein. Kommen wir aber zum Inhalt.
Der erfahrene und seit etlichen Jahren bei der CIA tätige Agent Bob Barnes ist Experte für spezielle Angelegenheiten in Nahost. Im eigenen Land von seinen Vorgesetzten nicht ganz ernst genommen und mehr und mehr auf die Abschußliste rückend, versteht er es, sich in Beirut und Co. durchzukämpfen. Der Charakter macht dabei im Film eine Verwandlung vom treuen und blind handelnden Werkzeug der CIA zum eigenständigen und letztendlich für das Gute kämpfenden Person durch - bedingt durch eine drohende Anklage und Untersuchungen zu Hause - die versucht, den idealistischen Prinzen Nasir zu retten.
Matt Damon spielt einen Mitarbeiter in einer kleinen amerikanischen Finanzberatungsfirma, der die Familie bzw. den Prinzen Nasir Al-Subaai in Geldangelegenheiten berät. Scheinbar begünstigt und in Wohlgunst gefallen durch den tragischen Tod seines Sohnes, ist er ab da an stets an der Seite des Prinzen und führt mit ihm interessante Gespräche. Diese Geschichte des Filmes hat mir am meisten gefallen, da ich solche Verschwörungs-, Helden- und Weltverbesserungsgeschichten mag. Prinz Nasir erklärt Bryan Woodman, warum die durch Öl reich gewordenen Familien ihre Geschäfte mit Verlust betreiben und überteuerte Dinge aus dem Westen kaufen. Der Autor zeigt dem Zuschauer so die wilden und korrupten Verflechtungen der USA in die Ölgeschäfte des Nahen und Mittleren Ostens und gleichzeitig die Erklärung für die Gewalt bzw. den Terrorismus, der aus den Handlungen der USA quasi resultiert.
Damit bin ich auch gleich bei der dritten Geschichte des Films. Pakistanische Jugendliche die zu Gast im Libanon sind um zu arbeiten, wissen nach der Kündigung nichts mehr mit sich anzufangen und zocken nur noch Fußball oder schauen TV. Einen neuen Job finden sie aufgrund von Verständigungsproblemen und der katastrophalen Arbeitsplatzsituation nicht mehr. Da kommt plötzlich ein gepflegter und gut gekleideteter "Einheimischer", der das Interesse der Jungen weckt. Er appelliert an den Glauben der Jungs und zeigt ihnen seine Umgebung. Erst etwas später habe ich richtig mitbekommen, welchen Teil diese Geschichte in der arabisch/islamischen Welt darstellen soll - den Terrorismus. Getrieben durch Entmutigung und den Glauben an etwas, was wir hier zu Lande nicht wirklich nachvollziehen können, werden sie zum tödlichen Werkzeug des Terrorismus bzw. Fanatismus, wie ich solche Selbstmordtaten lieber bezeichne.
Der Auslöser dieser ganzen Sache stellt die letzte Geschichte des Filmes dar. Eine kleine Ölfirma namens Killen hat auf unerklärliche Weise Verwertungsrechte für ein höchst lukratives Ölfeld in Kasachstan erhalten. Der amerikanische Ölkonzern Connex ist daraufhin bemüht, eine Fusion beider Firmen einzufedeln um so an die unheimlichen hohen Gewinne zu kommen. Anwalt Bennett Holiday soll die Fusion überprüfen und stößt auf Ungereimtheiten, Bestechung und Betrug, in den die Ölgiganten Whiting und Jimmy Pope von Killen verstrickt sein könnten. Dieser Teil stellt wohl das größte Wirrwarr für die Zuschauer dar. Ständig tauchen Akteure auf, die die Seiten wechseln, Absprachen mit anderen machen und andere reinlegen.
Bei IMDb hat der Film jetzt schon 7.2 von 10 möglichen Punkten. Das heißt soviel, dass dieser Film im obersten Drittel der besten Filme aller Zeiten anzutreffen ist. Und genau das ist auch mein Fazit. Ein anstrengender (im positiven Sinne) und zum Nachdenken anregender Politfilm, der die koruppten Machenschaften der USA in Sachen Öl darstellt und sehr interessante Verbindungen herstellt, die man ruhig hinterfragen soll. Darüber hinaus wird dem Zuschauer die arabische und islamistische Welt gezeigt, die ohne Zweifel ihre Reize hat. Diesen Film sollte man sich nicht entgehen lassen.
Marcel - #1 - 06.03.2006 12:41 - (Antwort)
"And the oscar goes to...George Clooney!" Na bitte. Herzlichen Glückwunsch Herr Clooney! Aber bei der Lobeshymne war das ja vorhersehbar! Ich glaub auch, ich hab Meik in der Jury sitzen sehen! ![]()
PixelMechanic - #2 - 07.03.2006 09:01 - (Antwort)
Hehe, der Georg hat seinen ersten Oscar. Unglaublich. Hätt' ich ihm ja nicht zugetraut. Vom schnuckeligen Serienarzt zum ersthaften Schauspieler. Respekt!
Bisher war das ja eher Popcorn-Kino á la "Out of Sight", was der Georg so fabriziert hat. Und dann auf einmal gleich zweimal nomminiert und einmal die kleine Goldstatue mit nach Hause genommen.
Nochmal: Respekt!
PixelMechanic.de - #3 - 31.03.2006 16:05 - (Antwort)
Kino, Kino, Kino...
Viel zu tun, ständig unterwegs. Und wenn man dann mal Freizeit hat, nutzt man diese natürlich zum Ins-Kino-Gehen und nicht dazu über Kino zu bloggen. Hier also nur kurz die drei letzten Filme.
Syriana
Der Clooney Schorsch kämpft in Höchstform geg...
Tobe - #4 - 02.03.2006 15:06 - (Antwort)
War sehr angetan von dem Streifen. Und dass George Clooney nicht nur gut schauspielern kann zeigt übrigens auch der Film "Good Night, and Good Luck.", bei dem er neben seiner Rolle auch Regie führt. Sehr empfehlenswert...
