Mittwoch, 6. Juli 2005
Die Zukunft hat begonnen

Vor ziemlich genau einem Jahr entscheid ich mich, dem analogen Fernsehen lebe wohl zu sagen. Das grieselige Bild gefiel mir einfach nicht mehr und ich wollte die Möglichkeiten von DVB (Digital Video Broadcasting) in Form von DVB-S (also per Satschüssel) ausprobieren. Bei einem Freund konnte ich bereits zuvor eine funktionierende Installation live erleben und was ich sah, gefiel mir sehr gut. Wie kleine Jungs in solchen Fällen nunmal sind, konnte ich es ab da an kaum erwarten, meine eigene DVB-Karte zu besitzen und mit dem Linux-Programm VDR (Linux Video Disk Recorder) herumzuspielen.
Man muss dazu sagen, dass die Software alleine nur einen halben VDR ausmacht. Wenn man sich als volles Mitglied im elitären Club der VDR Besitzer bezeichnen will, braucht man dazu auch noch die passende Hardware, wie man sie bspw. von seinem alten VHS-Videorekorder her kennt. Also ein kleines und flaches Gehäuse, wo ein voll funktionsfähiger, nahezu geräuschloser, PC drin steckt. Diese Komponenten habe ich mir vor ein paar Wochen bestellt. Mittlerweile ist alles zusammengebaut, getestet und für gut befunden, so dass ich nachfolgend eine kleine Fotostory veröffentlichen kann.

Bei dem Gehäuse entschied ich mich nach langer und reiflicher Überlegung für das Lascala LC11 aus dem Hause SilverStone. Dieses hübsche Teil erfüllt alle meine Anforderungen, wie zum Beispiel eine 3,5" Festplatte oder ein 5,25" CD/DVD-Laufwerk. Es kam perfekt gepolstert und unversehrt bei mir an. Die qualitativen Erwartungen erfüllt es ohne Probleme. Kostenpunkt: 139,-€

Ausgepackt sah die ganze Sache dann so aus. Das Gehäuse ist mit 9,5 cm exakt so hoch wie mein DVD-Player.

Das 17cm x 17cm große Mainboard VIA EPIA-M10000B im Mini-ITX Format ließ ich mir zu Weihnachten schenken, so dass ich mir die 139,-€ sparen konnte. Es wird von einem 1 GHz VIA Nehemiah Prozessor befeuert und hat sonst alles, was man auch von den großen Boards her kennt.

Eingebaut sieht das kleine Board ein bisschen verlassen in dem geräumigen Gehäuse aus. Das ist aber gar nicht so schlecht, da so Platz für alle anderen Komponenten bleibt. Insgesamt fügt sich das LC11 nahtlos in meine bestehenden HiFi-Komponenten ein, was u.a. auch ein Kaufkriterium war.

Die Betriebs-LED in dem Gehäuse ist der Hammer. Nachts feuert das Teil an meine 6 Meter entfernte Wand, dass ich ohne Probleme ein Buch lesen könnte. Sieht aber auch wirklich sehr cool aus, wenn das Zimmer Nachts ein wenig blau gefärbt ist. Bei dem Brenner habe ich mich für den Pioneer DVR-109 entschieden. Dieser hat mich auch nur 58,-€ gekostet. Ein richtiges Schnäppchen.

Im Betrieb sieht der VDR dann so aus. Egal ob man die Senderinfos auf einen Blick möchte oder ob man sich im VDR Menu entscheidet, ein DivX anzuschauen.

Ganz wichtig zu wissen ist, was im Moment gerade läuft. Dazu stellt der VDR diesen Screen bereit. Absolut übersichtlich. Eigentlich kann man sagen, dass man mit dem VDR nahezu alles machen kann. Egal ob man wissen möchte wie das Wetter für die Woche wird oder man mal schnell die neuesten News im Internet lesen möchte. Es gibt so ziemlich für jedes Anwendungsgebiet ein geeignetes Plugin.
Es ist eben ein voll funktionsfähiger PC, der über eine Internetverbindung verfügt. So kann ich bspw. von irgendwo auf der Welt bequem mit dem Browser meinen Lieblingsfilm mit nur einem Klick aufnehmen. Es ist wirklich fast alles möglich.
Das digitale Herzstück bildet die DVB-S Karte Technotrend Premium 1.5 von der Erfurter TechnoTrend AG. Ziemlich unbekannt, aber diese Firma liefert das Referenzdesign für Full-Featured DVB Karten. Haupauge verkauft also exakt die gleiche Karte nur mit dem Haupauge Logo drauf, die natürlich auch etwas teurer ist. Full-Featured heißt, dass hier ein MPEG2 Decoder verbaut ist, der den MPEG2 Stream von der Schüssel in ein Fernsehbild umwandelt. Ohne diesen Chip ist man also nicht in der Lage, ein Livebild zu sehen. Mit 192,-€ war die Karte auch nicht gerade billig. Um sie in das Gehäuse einzubauen, braucht man eine sogenannte Riser-Card, die in einfacher Form dem Lascala LC11 beiliegt. Ich musste allerdings feststellen, dass die Karte in meiner Gehäuse-Board-Kombination nicht gepasst hat. Eine PCI-Verlängerung war unverzichtbar, welche ich mir noch nachbestellen musste. Möchte man eine weitere PCI Karte nutzen, braucht man sogar eine spezielle VIA-Epia Riser-Card, die es auch in dem Shop gibt.
Zum Thema Lautstärke: Das Rechnergeräusch ist leiser als das meines Fernsehers - also nahezu unhörbar. Sobald der leiseste TV-Ton ertönt, hört man von beidem nichts mehr.
Insgesamt hat mich alles knapp 700,-€ und viele viele Stunden Zeit gekostet.
AlphaOne - #1 - 06.07.2005 13:43 - (Antwort)
Sehr schöner Bericht.
Wenn ich irgendwann mal digitales Fernsehen empfangen kann und ich dann noch zufällig 700 Steine sowas von übrig habe, dann darfste das ganze nochmal basteln ![]()
docbrown - #2 - 06.07.2005 14:03 - (Antwort)
Ja, die 700,-€ sind wirklich fett. Ich habe ja noch ganz die 90,-€ von der Schüssel, LNB und Kabel vergessen. ![]()
Royal_23 - #3 - 06.07.2005 21:54 - (Antwort)
neid... aber zu nerdig für mich ![]()
keine zeit, keine zeit
brauche TiVo
docbrown - #4 - 06.07.2005 23:44 - (Antwort)
Wie ist das bei TiVo? Zahlt man da nur die monatliche Gebühr oder muss man einmalig auch die Box kaufen?
SyrelSnyr - #5 - 07.07.2005 14:11 - (Antwort)
Frage: Ist Deine Festplatte nicht laut? Ich habe auch so ein Epia-System im Wohnzimmer stehen und das gesurre der HDD geht mir tierisch auf den Keks...
docbrown - #6 - 07.07.2005 14:22 - (Antwort)
Nein, die hört man wirklich nicht. Es ist eine 160GB Samsung SpinPoint mit 5400 U/Min. Die ist wirklich richtig schön leise.
AlphaOne - #7 - 07.07.2005 15:52 - (Antwort)
Die Samsung SpinPoint hab ich auch. Die sind flüssigkeitsgelagert und dadurch recht leise.
alfons - #8 - 16.07.2005 13:04 - (Antwort)
Wieso eigentlich 700 Euro für DVB-S wenn man doch auch übers Internet fernsehen kann??
docbrown - #9 - 16.07.2005 14:26 - (Antwort)
Du musst dir mal das Prinzip vom VDR vor Augen führen. Es geht um einen PC, der nahezu lautlos im heimischen Wohnzimmer steht und einem diverse kleine Spielereien neben dem Fernsehgucken bietet.
Natürlich kannst du auch im Netz TV gucken, aber hast du schonmal versucht, mit deiner Freundin/Frau am Freitag abend gemütlich das Topmovie auf ProSieben zu schauen?
Ich kenne zumindest keine Quellen, die mir die Senderauswahl von DVB-S in ansehnlicher Qualität bieten (Vollbild, flüssig, keine Pixel). Du? Ich lasse mich da aber gerne eines besseren belehren. ![]()
